Die SIG Sauer P365 hat bei ihrer Einführung im Jahr 2018 einen Paradigmenwechsel im Markt für Kompaktpistolen ausgelöst. Was sie so besonders macht, ist eine scheinbar simple Errungenschaft, die jedoch jahrelange Entwicklungsarbeit erforderte: zehn Patronen Kaliber 9x19mm in einem Doppelreihemagazin, das nur 25,4 Millimeter breit ist. Bis dahin galt es als unmöglich, ein Doppelreihemagazin in einem Griffstück unterzubringen, das kaum grösser ist als das einer Einreiher-Taschenpistole. SIG löste dieses Problem mit einem neuartigen Magazindesign, bei dem die Patronen in zwei Reihen gestaffelt sind und sich zur Mündung hin auf eine einzige Reihe verjüngen. Das Ergebnis war eine Pistole, die bei Glock-43-Abmessungen fast die doppelte Kapazität bot und damit eine neue Kategorie begründete: die Mikrokompaktpistole.
Die Geschichte der P365 ist eng mit dem Boom des verdeckten Tragens in den USA verknüpft, wo immer mehr Bundesstaaten das verdeckte Führen von Schusswaffen ohne Bewilligung erlaubten. Die Nachfrage nach möglichst kleinen und leichten 9mm-Pistolen mit hoher Kapazität war enorm, und SIG Sauer erkannte die Chance. Die Entwicklung der P365 dauerte mehrere Jahre und erforderte nicht nur ein neues Magazindesign, sondern auch einen speziell konzipierten Schlitten und Rahmen. Bei der Markteinführung im Januar 2018 auf der SHOT Show in Las Vegas sorgte die P365 für Furore und wurde von der NRA zur Handfeuerwaffe des Jahres gewählt. Die ersten Produktionschargen hatten allerdings Anlaufschwierigkeiten: Einige Kunden berichteten über vorzeitigen Verschleiss am Schlagbolzen und gelegentliche Rostbildung auf dem Schlitten. SIG reagierte schnell mit einer überarbeiteten Schlagbolzenfeder und einer verbesserten Oberflächenbehandlung. Seit Mitte 2018 gelten diese Probleme als gelöst. In den folgenden Jahren baute SIG die P365-Familie kontinuierlich aus: 2019 kam die P365 XL mit verlängertem Griff und Schlitten, 2021 die P365X als Mittelweg, und 2022 die P365-XMACRO mit integriertem Kompensator und 17-Schuss-Magazin.
Technisch arbeitet die P365 als Kurzhub-Rückstosslader mit Schlagbolzenschloss, also einem Striker-Fire-System. Der Lauf hat eine Länge von 79 Millimetern, die Gesamtlänge beträgt nur 146 Millimeter, und das Gewicht liegt bei lediglich 518 Gramm leer. Die Breite von 25,4 Millimetern macht die Waffe extrem flach und leicht zu verbergen. Das Basismagazin fasst 10 Schuss, optional sind 12- und 15-Schuss-Magazine erhältlich, die den Griff entsprechend verlängern. Die serienmässige XRAY3-Visierung kombiniert Tritium-Einsätze für die Nacht mit einer kontrastreichen Tagvisierung. Der Abzug bricht nach einem kurzen Vorweg klar und hat einen spürbaren Reset. Die Verarbeitung ist für eine Pistole dieser Grösse bemerkenswert hochwertig, mit einem Stahlschlitten auf einem Edelstahl-verstärkten Polymerrahmen.
In der Schweiz ist die P365 vor allem bei Sportschützen beliebt, die eine kompakte und leichte Pistole für das Training suchen, sowie bei Schützen, die eine handliche Waffe für zu Hause haben möchten. Das verdeckte Tragen von Schusswaffen ist in der Schweiz im Alltag nicht üblich und erfordert eine kantonale Waffentragbewilligung, die nur unter strengen Voraussetzungen erteilt wird. Dennoch hat die P365 auf dem Schweizer Markt eine Nische gefunden. SIG Sauer hat in der Schweiz ohnehin einen hervorragenden Ruf, und viele Schützen, die bereits eine P226 oder P320 besitzen, ergänzen ihre Sammlung gerne mit der kleinen Schwester. Auf dem Schiessstand überrascht die P365 regelmässig durch ihre Präzision, die man einer so kleinen Waffe kaum zutrauen würde. Der tief liegende Lauf und das geringe Mündungshochschlagen machen sie auch für Schützen mit kleineren Händen gut beherrschbar.
Die Preise auf dem Schweizer Gebrauchtmarkt im Jahr 2026 sind stabil, da die Nachfrage das begrenzte Angebot gut abfedert. Eine P365 im Basismodell in gutem Zustand kostet zwischen 550 und 750 Franken. In sehr gutem Zustand mit wenigen Gebrauchsspuren und gepflegtem Lauf sind 750 bis 950 Franken realistisch. Neuwertige Exemplare mit Originalbox und Zubehör erzielen 950 bis 1200 Franken. Die P365 XL liegt in der Regel 50 bis 100 Franken höher, die XMACRO kann neuwertig bis 1400 Franken kosten. Im Schweizer Fachhandel liegt der Neupreis für eine P365 bei rund 850 bis 1100 Franken, für die XL bei 950 bis 1200 Franken, und für die XMACRO bei 1100 bis 1400 Franken, jeweils abhängig von der Ausstattung.
Beim Kauf einer gebrauchten P365 sollte man einige Dinge beachten. Die frühen Produktionschargen von Anfang 2018 können noch die ursprüngliche Schlagbolzenfeder haben, die zu vorzeitigem Verschleiss neigt. SIG tauscht diese kostenlos aus, aber man sollte prüfen, ob der Austausch bereits erfolgt ist. Der Schlitten sollte keine Rostspuren zeigen, und die Nitron-Beschichtung sollte intakt sein. Die Magazine sind das Herzstück der P365, und ein defektes Magazin kann zu Zuführungsproblemen führen. Man sollte die Magazinfeder auf Spannkraft prüfen und darauf achten, dass die Patronen sauber in das Magazin gleiten. Die XRAY3-Visierung ist robust, aber die Tritiumeinsätze verlieren nach etwa zehn Jahren an Leuchtkraft.
Der Rechtsstatus in der Schweiz ist klar: Die SIG P365 ist eine bewilligungspflichtige Waffe, für deren Erwerb ein Waffenerwerbsschein erforderlich ist. Die Voraussetzungen sind die üblichen für den WES. Es handelt sich um eine frei erwerbbare Waffe ohne Sonderstatus. Die Waffe darf auf bewilligten Schiessständen geschossen werden, und der Transport hat in nicht schussbereitem Zustand auf direktem Weg zu erfolgen. Für eine Waffentragbewilligung, die das Führen der Waffe in der Öffentlichkeit erlauben würde, sind besondere Gründe nachzuweisen, was in der Praxis nur selten gelingt.