Die SIG Sauer P320 markiert einen Paradigmenwechsel im modernen Pistolenbau. Mit ihrem revolutionären modularen Konzept, bei dem das serialisierte Waffenstück ein herausnehmbares Stahlchassis ist, hat sie die Art und Weise verändert, wie Pistolen konfiguriert und angepasst werden. Der Gewinn der Ausschreibung der US-Armee im Jahr 2017 als M17/M18 hat die P320 endgültig als eine der wichtigsten Militärpistolen des 21. Jahrhunderts etabliert. Auch auf dem Schweizer Markt erfreut sich die P320 wachsender Beliebtheit bei Sport- und Freizeitschützen.
Die Entwicklungsgeschichte der P320 beginnt um 2012, als SIG Sauer eine striker-fired Pistole entwickelte, die das Erbe der P250 antreten sollte. Die P250, die ebenfalls über ein modulares Chassis verfügte, hatte sich am Markt nicht durchsetzen können, weil sie einen reinen Double-Action-Abzug besass, der im Vergleich zu Glock und anderen Striker-Pistolen als Nachteil empfunden wurde. Die P320 übernahm das modulare Chassis-Konzept, wechselte aber zu einem Schlagbolzenschloss-System (Striker), das einen deutlich kürzeren und leichteren Abzug ermöglichte. 2014 wurde die P320 offiziell vorgestellt. 2017 gewann sie als M17 (Full-Size) und M18 (Compact) die Modular Handgun System-Ausschreibung der US-Armee und löste damit die Beretta M9 ab, die seit 1985 im Dienst war. Dies war das erste Mal seit über 30 Jahren, dass die US-Streitkräfte eine neue Standardpistole einführten.
Das technische Herzstück der P320 ist die Fire Control Unit (FCU), ein serialisiertes Stahlchassis, das die Abzugsgruppe, den Schlagbolzen und alle wesentlichen Funktionskomponenten enthält. Dieses Chassis kann aus dem Polymergriffmodul herausgenommen und in ein anderes Griffmodul eingesetzt werden, etwa von Full-Size auf Compact oder Subcompact. Da waffenrechtlich nur das Chassis die Waffe darstellt, sind Griffmodule, Schlitten und Läufe als Zubehör klassifiziert und können ohne weitere Formalitäten getauscht werden. Die P320 im Full-Size-Format verschiesst 9x19mm aus einem doppelreihigen Magazin mit 17 Patronen. Die Lauflänge beträgt 119 mm bei der Full-Size-Version, 99 mm bei der Compact und 91 mm bei der Subcompact. Das Leergewicht der Full-Size liegt bei 833 Gramm. Der modifizierte Browning-Verschluss sorgt für eine sichere Verriegelung. Neben 9mm ist die P320 auch in .40 S&W, .357 SIG und .45 ACP erhältlich, wobei 9mm die mit Abstand populärste Variante ist.
Was die P320 besonders macht, ist die beispiellose Modularität. Ein Schütze kann mit einer einzigen registrierten Waffe verschiedene Konfigurationen nutzen: Full-Size für den Schiessstand, Compact für verdecktes Tragen, Subcompact als Backup. Der Wechsel dauert wenige Minuten und erfordert kein Werkzeug. Die Abzugscharakteristik der P320 wird allgemein als eine der besten unter den Striker-Pistolen bewertet: kurzer Vorlauf, sauberes Brechen und ein definierter Reset. Die P320 verfügt über keine manuellen Sicherungshebel in der Standardkonfiguration, die M17/M18-Militärversionen haben jedoch einen manuellen Sicherungshebel auf Anforderung der US-Armee erhalten. Die Zuverlässigkeit ist hervorragend, was durch die bestandenen Militärtests mit über 12'000 Schuss ohne Störung dokumentiert ist.
Im Schweizer Kontext gewinnt die P320 zunehmend an Bedeutung. Sie ist bei Sportschützen beliebt, die eine vielseitige Plattform suchen, und wird auch von einigen Sicherheitsdiensten evaluiert. Die X-Five-Legion-Variante mit Tungsten-Griffmodul hat sich als ernsthafte Wettkampfpistole etabliert und wird bei IPSC-Matches und anderen Pistolenwettbewerben eingesetzt. Die Verfügbarkeit verschiedener Griffmodule, darunter das AXG-Aluminiumgriffmodul und diverse Aftermarket-Optionen, macht die P320 zu einer Plattform, die sich individuell auf die Bedürfnisse des Schützen anpassen lässt. In der Schweiz werden P320-Modelle über den autorisierten Fachhandel vertrieben, und die Ersatzteilversorgung ist gut.
Die Variantenvielfalt der P320 ist beachtlich. Die M17 in Coyote Tan ist die US-Armee-Standardversion mit manuellem Sicherungshebel. Die M18 ist die kompaktere Version für die US Marines. Die X-Five Legion ist eine Wettkampfpistole mit schwerem Tungsten-Griffmodul für reduzierte Mündungsbewegung. Die AXG-Serie ersetzt den Polymergriff durch ein Aluminiumgriffmodul, was der Waffe ein solideres Gefühl und bessere Balance verleiht. Die Spectre-Serie bietet Premium-Features wie einen integrierten Kompensator und spezielle Grifftexturen. Die P320 XTEN erweitert das System ins Kaliber 10mm Auto. Alle diese Varianten teilen die gleiche FCU als Basis.
Auf dem Schweizer Markt 2026 liegen die Preise für gebrauchte P320-Pistolen wie folgt. In gutem Zustand, funktionsfähig mit normalen Gebrauchsspuren, kostet eine P320 CHF 550 bis 750. In sehr gutem Zustand, mit wenig Tragespuren und gepflegtem Lauf, liegen die Preise bei CHF 750 bis 1'000. Neuwertige Exemplare oder wenig geschossene Modelle erzielen CHF 1'000 bis 1'400. Die X-Five Legion liegt gebraucht bei CHF 1'200 bis 1'600, neu bei rund CHF 1'800 bis 2'200. Die M17/M18-Militärversionen sind bei Sammlern beliebt und erzielen ähnliche Preise wie die Legion-Modelle. Neupreise für die Standard-P320 beginnen bei etwa CHF 850.
Beim Kauf einer gebrauchten P320 ist der Zustand der FCU das Wichtigste. Das Chassis sollte keine Risse oder Verformungen aufweisen. Der Abzug muss sauber brechen und der Striker-Reset klar spürbar sein. Die Polymergriffmodule sollten auf Risse an den Schienennuten geprüft werden, insbesondere bei älteren Modellen. Es gab bei frühen P320-Produktionen Berichte über unbeabsichtigte Schussabgaben bei Sturz, was SIG Sauer durch ein freiwilliges Upgrade-Programm mit verbessertem Abzugsmechanismus behoben hat. Beim Gebrauchtkauf sollte man prüfen, ob das Upgrade durchgeführt wurde, erkennbar an der modifizierten Abzugsstange. Originalmagazine von SIG sind den Nachbauten vorzuziehen.
Rechtlich benötigt man für den Erwerb einer P320 in der Schweiz einen Waffenerwerbsschein (WES). Dieser wird beim kantonalen Waffenbüro beantragt. Die Voraussetzungen sind dieselben wie bei anderen Faustfeuerwaffen: Mindestalter 18, kein Strafregistereintrag, keine Hinweise auf Selbst- oder Fremdgefährdung. Die Bearbeitungszeit beträgt in der Regel zwei bis vier Wochen. Wichtig zu wissen: Zusätzliche Griffmodule, Schlitten und Läufe können ohne WES erworben werden, da nur die FCU als Waffe gilt. Dies macht die P320 in der Schweiz besonders attraktiv, da man die Konfiguration ohne bürokratischen Aufwand ändern kann. Die Aufbewahrung zu Hause unterliegt den üblichen Vorschriften für Faustfeuerwaffen.