Die SIG P220 verdient den Titel einer wahrhaft schweizerischen Pistole mehr als jede andere im SIG-Sortiment. Was sie besonders macht, ist die Tatsache, dass sie den Grundstein für eine ganze Familie legendärer Dienstpistolen legte. Aus der P220 entstanden die P225, P226, P228 und P229, also praktisch alle SIG-Pistolen, die seit den 1970er Jahren von Polizei- und Militäreinheiten auf der ganzen Welt getragen werden. Gleichzeitig führte die P220 mehrere Konstruktionsmerkmale ein, die wegweisend waren: den Leichtmetallrahmen, das SIG-eigene Verriegelungssystem mit Verriegelungsblock an der Auswurföffnung und den Entkupplungshebel anstelle einer manuellen Sicherung. Diese Kombination aus Innovation, Zuverlässigkeit und Schweizer Fertigungsqualität macht die P220 zu einer der bedeutendsten Pistolenkonstruktionen des 20. Jahrhunderts.
Die Geschichte der P220 beginnt Mitte der 1960er Jahre, als die Schweizerische Eidgenossenschaft einen Nachfolger für die legendäre SIG P210 suchte. Die P210 war zwar die präziseste Militärpistole der Welt, aber auch die teuerste, da sie vollständig aus geschmiedetem Stahl gefertigt wurde und extrem enge Toleranzen aufwies. Die Armee brauchte eine günstigere Alternative, die sich in grossen Stückzahlen produzieren liess. SIG in Neuhausen am Rheinfall entwickelte daraufhin unter der Leitung von Charles Hässig die P220, die 1975 als Pistole 75 bei der Schweizer Armee eingeführt wurde. Der Leichtmetallrahmen aus Aluminiumlegierung senkte die Produktionskosten erheblich, während das neue Verriegelungssystem die Fertigung vereinfachte. Die P220 wurde auch bei zahlreichen Schweizer Polizeikorps eingeführt und bei der japanischen Selbstverteidigungskraft als P220 9mm übernommen. In den USA erlangte die P220 vor allem in der .45-ACP-Version grosse Beliebtheit, da sie dort als eine der zuverlässigsten Alternativen zur 1911 galt. Die Partnerschaft mit J.P. Sauer und Sohn in Eckernförde, Deutschland, für die internationale Produktion führte zum heute bekannten Firmennamen SIG Sauer.
Technisch arbeitet die P220 als Kurzhub-Rückstosslader mit dem patentierten SIG-Verriegelungssystem. Anstatt den Lauf über Verriegelungswarzen oder eine Steuerkurve zu entriegeln, nutzt SIG einen grossen Verriegelungsblock an der Laufoberseite, der in die Auswurföffnung des Schlittens greift. Beim Rückstoss wird der Lauf über eine Steuerkurve nach unten gezogen und entriegelt. Dieses System ist einfach, robust und ermöglicht enge Passungen bei gleichzeitig hoher Zuverlässigkeit. Der Lauf misst 112 Millimeter, die Gesamtlänge beträgt 198 Millimeter, und das Gewicht liegt bei rund 750 Gramm leer in der 9mm-Version. Das Magazin ist ein Einreiher mit 8 Schuss im Kaliber 9x19mm beziehungsweise 8 Schuss in .45 ACP. Der Abzug arbeitet im DA/SA-Modus: Der erste Schuss kann mit entspanntem Hahn im langen Double-Action-Zug abgefeuert werden, alle weiteren Schüsse erfolgen im kurzen Single-Action-Modus. Anstelle einer manuellen Sicherung besitzt die P220 einen Entkupplungshebel, der den gespannten Hahn sicher ablässt, ohne den Schlagbolzen zu berühren.
In der Schweiz ist die P220 als Pistole 75 allgegenwärtig. Generationen von Schweizer Soldaten haben ihre Schiessausbildung mit dieser Waffe absolviert, und bis heute ist sie im Armeebestand. Bei der Entlassung aus der Armee können Schweizer Bürger ihre Ordonnanzpistole 75 unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen, was bedeutet, dass Tausende von P220 in Privatbesitz sind. Diese Ordonnanzwaffen in 9x19mm sind auf dem Gebrauchtmarkt entsprechend häufig. Daneben gibt es die zivilen Versionen, die sich vor allem durch die Kaliberauswahl und die Ausstattung unterscheiden. Auf dem Schiessstand ist die P220 ein vertrauter Anblick, und viele Schweizer Schützen verwenden sie beim obligatorischen Schiessen oder im Vereinssport.
Die Preise auf dem Schweizer Gebrauchtmarkt im Jahr 2026 hängen stark von der Version ab. Ehemalige Ordonnanzpistolen 75 in 9x19mm sind am günstigsten: In gutem Zustand mit normalem Dienstgebrauch sind 350 bis 550 Franken realistisch. In sehr gutem Zustand, also mit wenig geschossenem Lauf und minimalen Tragespuren, bewegen sich die Preise zwischen 550 und 800 Franken. Neuwertige Exemplare, die praktisch ungebraucht aus dem Armeebestand kommen, können 800 bis 1100 Franken erzielen. Zivile P220-Modelle in .45 ACP liegen höher: gut erhaltene Exemplare kosten 700 bis 1000 Franken, sehr gute 1000 bis 1400 Franken, und neuwertige Stücke 1400 bis 1800 Franken. Premium-Versionen wie die P220 Elite oder Legion erzielen entsprechend mehr. Der Neupreis für eine aktuelle zivile P220 im Schweizer Fachhandel liegt bei rund 1200 bis 1800 Franken je nach Ausführung.
Beim Kauf einer gebrauchten P220 sollte man auf den Zustand des Leichtmetallrahmens achten. Obwohl die Aluminiumlegierung sehr widerstandsfähig ist, können bei älteren Exemplaren Korrosionsspuren auftreten, besonders wenn die Waffe unsachgemäss gelagert wurde. Die Schlittenführungsschienen am Rahmen sollten frei von übermässigem Verschleiss sein. Bei Ordonnanzpistolen lohnt es sich, den Lauf mit einer Lauflehre prüfen zu lassen, da viele Exemplare hohe Schusszahlen hinter sich haben. Der Abzug sollte im SA-Modus sauber brechen, und der Entkupplungshebel muss den Hahn zuverlässig und sicher ablassen. Die Kunststoffgriffschalen der Armeeversion sind robust, können aber vergilben.
Der Rechtsstatus der P220 in der Schweiz ist differenziert. Die Ordonnanzpistole 75 in 9x19mm, die bei der Entlassung aus dem Militärdienst übernommen wurde, gilt als ehemalige Ordonnanzwaffe und kann unter erleichterten Bedingungen besessen werden. Für den Kauf einer P220 auf dem Gebrauchtmarkt oder im Fachhandel, unabhängig davon ob Ordonnanz- oder Zivilversion, ist ein Waffenerwerbsschein erforderlich. Die üblichen Voraussetzungen für den WES gelten. Die Waffe darf auf bewilligten Schiessständen geschossen werden, und der Transport erfolgt in nicht schussbereitem Zustand auf direktem Weg.