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FN Browning High Power (HP)

John Brownings letztes Meisterwerk. Die erste 13-Schuss-Pistole. Jahrzehnte bei brit. Armee.

Veröffentlicht: · Aktualisiert: · Autor: GunMarket.ch Redaktion

PistoleFN Herstal4 Min. Lesezeit

Technische Daten

Hersteller
FN Herstal
Baujahr
1935
Kategorie
Pistole
Rechtsstatus CH
WES-pflichtig (Kat. B)
Kaliber
9×19mm

Die FN Browning Hi-Power, auch bekannt als Grande Puissance oder schlicht HP, ist eine der einflussreichsten Pistolen des 20. Jahrhunderts. Was sie besonders macht, ist die Tatsache, dass sie gleich zwei wegweisende Neuerungen in einer einzigen Konstruktion vereinte: die vereinfachte Kipplaufverriegelung mit Steuerkurve, die den Schwenkriegel der 1911 ersetzte und bis heute in praktisch allen modernen Pistolen verwendet wird, sowie das erste funktionsfähige Doppelreihemagazin in einer Militärpistole. Mit 13 Schuss im Jahr 1935 bot sie fast die doppelte Kapazität zeitgenössischer Konstruktionen und setzte einen Standard, der erst Jahrzehnte später zur Norm wurde.

Geschichte & Entwicklung

Die Geschichte der Hi-Power ist untrennbar mit zwei Namen verbunden: John Moses Browning und Dieudonné Saive. Browning begann die Entwicklung in den frühen 1920er Jahren, teilweise auf Basis einer Ausschreibung der französischen Armee, die eine Pistole mit grosser Magazinkapazität und einem Kaliber von 9 Millimetern verlangte. Browning arbeitete an dem Entwurf bei der Fabrique Nationale in Herstal, Belgien, starb aber 1926, bevor er die Konstruktion vollenden konnte. Sein belgischer Kollege Dieudonné Saive brachte das Projekt bis zur Serienreife und meldete 1934 die wesentlichen Patente an. 1935 ging die Pistole als Grand Rendement Modèle 1935 in Produktion. Im Zweiten Weltkrieg erlebte die Hi-Power die einmalige Situation, auf beiden Seiten des Konflikts eingesetzt zu werden: Die Alliierten erhielten Exemplare aus der nach Kanada verlagerten FN-Produktion, während die deutsche Wehrmacht Pistolen aus dem besetzten belgischen Werk als Pistole 640(b) nutzte. Nach dem Krieg wurde die Hi-Power zur am weitesten verbreiteten Militärpistole der westlichen Welt und diente in über neunzig Armeen, darunter der britischen Armee bis 2017. Im Jahr 2022 stellte FN Herstal eine komplett neukonstruierte FN High Power vor, die den klassischen Linien treu bleibt, aber moderne Fertigungsmethoden und Materialien nutzt.

Technik & Funktion

Technisch ist die originale Hi-Power ein Kurzhub-Rückstosslader mit Browning-Kipplaufsystem, bei dem eine Steuerkurve an der Unterseite des Laufs den Kipplauf beim Rückstoss nach unten zieht. Das 13-Schuss-Doppelreihemagazin wird im Einreiher-Ausgang zugeführt, was die Zuverlässigkeit erhöht. Der Lauf hat eine Länge von 118 Millimetern, die Gesamtlänge beträgt 200 Millimeter, und das Gewicht liegt bei 882 Gramm leer mit Stahlrahmen. Der Abzug arbeitet ausschliesslich im Single-Action-Modus, wobei der berühmte Kritikpunkt das Magazin-Disconnect-System ist: Ein federbelasteter Stift blockiert den Abzug, wenn kein Magazin eingesetzt ist. Dieses System verschlechtert das Abzugsgefühl erheblich und wird von vielen Besitzern entfernt, was allerdings den Originalzustand verändert.

Schweizer Kontext

In der Schweiz hat die Hi-Power eine lange, wenn auch inoffizielle Tradition. Obwohl die Eidgenossenschaft stets auf eigene Ordonnanzwaffen setzte, waren Hi-Powers auf dem Zivilmarkt stets beliebt. Viele Schweizer Schützen schätzen sie als historische Waffe mit Gebrauchswert: Der SA-Abzug ist für präzises Schiessen auf 25 und 50 Meter gut geeignet, das Kaliber 9x19mm ist erschwinglich, und die Waffe liegt dank des Stahlrahmens und der optimalen Griffneigung hervorragend in der Hand. Auf Schweizer Waffenbörsen und Auktionsplattformen werden regelmässig Hi-Powers angeboten, von frühen Vorkriegsmodellen über WK2-Produktionen bis hin zu späten Mk-III-Ausführungen. Die neue FN High Power von 2022 ist ebenfalls über den Schweizer Fachhandel erhältlich.

Die Preisspanne auf dem Schweizer Markt im Jahr 2026 ist breit und hängt stark von Alter, Zustand und historischer Bedeutung ab. Für eine Standard-Hi-Power der Nachkriegsproduktion in gutem Zustand, also funktionsfähig mit normalen Gebrauchsspuren, sind 700 bis 1100 Franken realistisch. In sehr gutem Zustand mit scharfer Brünierung und gutem Lauf bewegen sich die Preise zwischen 1100 und 1600 Franken. Neuwertige Exemplare der späten Produktion erzielen 1600 bis 2200 Franken. Vorkriegsmodelle und WK2-Exemplare mit nachweisbarer Geschichte können deutlich mehr kosten und sind eher Sammlerobjekte. Die neue FN High Power von 2022 kostet im Schweizer Fachhandel rund 1600 bis 1900 Franken.

Kaufberatung

Beim Kauf einer gebrauchten Hi-Power sollte man besonderes Augenmerk auf den Zustand der Steuerkurve am Lauf legen, da diese bei frühen Modellen aus weicherem Stahl gefertigt wurde und sich abnutzen kann. Die Verriegelungsflächen am Lauf und am Schlitten sollten keine übermässigen Schlagmarken aufweisen. Der Zustand der Abzugsstange und des Magazin-Disconnects beeinflusst das Abzugsgefühl erheblich. Man sollte prüfen, ob das Disconnect entfernt wurde, was zwar das Abzugsgefühl verbessert, aber bei einer Sammlerwaffe den Wert mindern kann. Die Griffschalen aus Kunststoff oder Holz sollten riss- und bruchfrei sein. Originalmagazine sind teurer als Nachbauten, aber zuverlässiger.

Der rechtliche Status in der Schweiz ist klar: Die FN Hi-Power ist eine bewilligungspflichtige Waffe. Für den Erwerb wird ein Waffenerwerbsschein benötigt, der beim kantonalen Waffenbüro beantragt wird. Die üblichen Voraussetzungen für den WES gelten. Die Waffe darf auf bewilligten Schiessständen im Kaliber 9x19mm geschossen werden. Es handelt sich nicht um eine Schweizer Ordonnanzwaffe, weshalb kein Sonderstatus besteht. Der Import älterer Modelle aus dem Ausland ist über den Fachhandel möglich, wobei die Einfuhrbewilligung des Bundes erforderlich ist.

Kommentare & Erfahrungen

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