Das Sturmgewehr 57, international als SIG SG 510 bekannt, war von 1957 bis 1990 die Ordonnanzwaffe der Schweizer Armee und geniesst bis heute einen exzellenten Ruf für Präzision und Robustheit. Mit einem Gewicht von 5,7 kg war es das schwerste Sturmgewehr seiner Ära, doch genau diese Masse trug zur hervorragenden Schussstabilität bei. Für Sammler und Schützen in der Schweiz ist das Stgw 57 ein begehrtes Stück Militärgeschichte.
Die Wurzeln des Stgw 57 reichen zurück in die deutsche Waffenentwicklung des Zweiten Weltkriegs. Das rollenverzögerte Verschlusssystem basiert auf dem Prinzip der StG 45 (Mauser), das später von CETME in Spanien und Heckler und Koch in Deutschland weiterentwickelt wurde. SIG in Neuhausen lizenzierte das System und passte es an das leistungsstarke Schweizer Kaliber 7,5×55mm GP11 an. Die Schweizer Armee nahm das Gewehr 1957 als Sturmgewehr 57 an — als eines der ersten Sturmgewehre weltweit, das gleichzeitig als leichtes Maschinengewehr eingesetzt werden konnte. Die Produktion lief von 1957 bis in die 1980er-Jahre, wobei rund 600'000 Stück für die Schweizer Armee und Exportkunden gefertigt wurden.
Technisch ist das Stgw 57 ein rollenverzögerter Rückstoßlader. Zwei Rollen im Verschlusskopf werden beim Verriegeln in Aussparungen im Laufträger gedrückt und verlangsamen die Verschlussöffnung durch mechanischen Nachteil. Das Resultat ist ein extrem weicher, kontrollierter Rückstoss trotz des leistungsstarken GP11-Kalibers. Das Stahlmagazin fasst 24 Patronen. Die Lauflänge beträgt 583mm bei einer Gesamtlänge von 1'016mm. Feuerarten sind Einzelschuss und Dauerfeuer mit einer Kadenz von 450 bis 600 Schuss pro Minute. Ein integriertes klappbares Zweibein erlaubt den Einsatz als leichtes Maschinengewehr. Der Winterabzug — ein vergrösserter Abzugsbügel — ermöglicht das Schiessen mit Handschuhen. Die Visierung reicht bis 640 Meter, und die Präzision des Stgw 57 auf diese Distanz ist bemerkenswert.
In der Schweiz hat das Stgw 57 Generationen von Soldaten geprägt. Wer zwischen 1957 und 1990 Militärdienst leistete, hat mit dem Stgw 57 geschossen, und viele erinnern sich an das markante Geräusch des rollenverzögerten Verschlusses. Die halbautomatische Zivilversion PE 57 war lange Zeit am Schweizer Markt erhältlich und wird an Schiesständen noch regelmässig verwendet. Sportschützen schätzen die Präzision, die mit GP11-Munition auf 300 Meter Gruppen unter 5 cm ermöglicht. Sammler suchen besonders nach vollständigen Exemplaren mit Originalzubehör wie Zweibein, Reinigungsgerät und Magazintasche. Die Exportversion SG 510-4 in 7,62×51mm NATO wurde an Chile, Bolivien und mehrere afrikanische Staaten verkauft.
Der Preisguide Schweiz 2026 für das Stgw 57 zeigt stabile bis leicht steigende Preise. Exemplare in gutem Zustand mit normalen Dienst-Gebrauchsspuren werden für CHF 600 bis 900 gehandelt. Waffen in sehr gutem Zustand mit intaktem Finish und scharfen Zügen erzielen CHF 900 bis 1'500. Neuwertige oder ungeschossene Stgw 57, etwa aus aufgelösten Zeughausbeständen, können CHF 1'500 bis 2'200 erreichen. Die PE 57 Zivilversion liegt preislich ähnlich, wobei Exemplare mit niedrigen Seriennummern einen Aufpreis erzielen. Originalmagazine in gutem Zustand sind mit CHF 20 bis 40 pro Stück vergleichsweise günstig.
Beim Kauf eines Stgw 57 ist der Lauf das wichtigste Prüfkriterium. GP11-Munition ist korrosiv, und schlecht gepflegte Exemplare zeigen Lochfrass im Lauf. Mit einem Laufspiegel die Züge auf Schärfe und Gleichmässigkeit prüfen. Den Verschluss auf Leichtgängigkeit testen — die Rollen müssen frei beweglich sein und dürfen keine Grate aufweisen. Das Zweibein auf Funktion prüfen, da die Scharniere bei vernachlässigten Waffen gerne festkorrodieren. Die Holzteile — Pistolengriff, Handschutz und Schaft — auf Risse und Ausbrüche kontrollieren. Nummerngleichheit ist auch hier ein Wertfaktor, wobei das Stgw 57 oft zeughausbedingte Teiletausche aufweist. Das Gasgestänge und den Gasregler auf Korrosion prüfen.
Rechtlich ist das Stgw 57 als Ordonnanzwaffe klassifiziert und fällt unter Kategorie C des Schweizer Waffengesetzes. Der Erwerb setzt Schweizer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung C voraus. Kein Waffenerwerbsschein nötig — ein Kaufvertrag genügt. Die vollautomatische Armeeversion darf nur als halbautomatische Variante in Privatbesitz sein.