Geschichte & Entwicklung
Der Colt Single Action Army (SAA), auch "Peacemaker" genannt, wurde 1873 eingeführt und ist die ikonischste Waffe des Wilden Westens. Entwickelt von William Mason und Charles Brinckerhoff Richards bei Colt, gewann der SAA die Armeeausschreibung gegen den Smith & Wesson Schofield und wurde zur offiziellen Ordonnanzwaffe der US-Kavallerie.
Von 1873 bis 1892 diente der SAA als Standard-Seitenwaffe der US-Armee. In dieser Zeit wurde er zur Legende — getragen von Wyatt Earp, Bat Masterson, Pat Garrett und zahllosen Cowboys, Outlaws und Gesetzeshütern. Kein anderer Revolver ist so eng mit der amerikanischen Frontier-Geschichte verbunden.
Colt produzierte drei Generationen: Die 1st Generation (1873-1941) umfasst ca. 357000 Exemplare und ist das Sammlerziel schlechthin. Die 2nd Generation (1956-1974) wurde nach grosser Nachfrage wieder aufgelegt. Die 3rd Generation (1976 bis heute) wird weiterhin in Hartford, Connecticut gefertigt und nutzt moderne CNC-Fertigung bei traditionellem Design.
Technik & Konstruktion
Der SAA ist ein Single-Action-Revolver — der Hahn muss vor jedem Schuss manuell gespannt werden. Dieses System ist in seiner Einfachheit kaum zu übertreffen: Der Abzugsmechanismus besteht aus nur wenigen Teilen und ist extrem zuverlässig.
Das Laden und Entladen erfolgt einzeln über die seitliche Ladeklappe — ein Ausschwenken der Trommel wie bei modernen Revolvern ist nicht möglich. Der Schütze öffnet die Ladeklappe, dreht die Trommel von Hand und lädt jede Kammer einzeln. Leere Hülsen werden mit dem unter dem Lauf montierten Auszieherstab einzeln ausgestossen.
Die Trommel hat keine Sicherheitsraste zwischen den Kammern. Aus Sicherheitsgründen wurde traditionell nur mit fünf Patronen geladen, wobei die Kammer unter dem Hahn leer blieb. Moderne Repliken haben teilweise einen Transfer-Bar-Mechanismus, der das Tragen mit sechs geladenen Kammern erlaubt.
Der SA-Abzug des Colt SAA ist legendär — ein kurzer, knackiger Abzug mit typischem "four clicks" beim Spannen des Hahns: Sicherheitsraste, Halbraste, Vollraste und der finale Klick beim Drehen der Trommel.
Varianten & Modelle
- Cavalry Model: 7,5" Lauf in .45 Colt, die Original-Armeeversion.
- Artillery Model: 5,5" Lauf, entstand durch Rückkäufe und Umbauten für Artilleristen.
- Gunfighter / Civilian: 4,75" Lauf, die beliebteste zivile Lauflänge.
- Sheriff's Model: 3" Lauf, ohne Auszieherstange, für verdecktes Tragen.
- Buntline Special: 12" Lauf, benannt nach dem Schriftsteller Ned Buntline.
- Frontier Six-Shooter: In .44-40 WCF, passend zur Winchester 1873 Repetierbüchse.
- Bisley Model: Mit verändertem Griff und breiterem Abzug für Wettkampfschiessen.
Kaliber & Ballistik
Der SAA wurde in einer enormen Vielfalt an Kalibern gefertigt — über 30 verschiedene über die Produktionsgeschichte:
- .45 Colt (Long Colt): Das Originalkaliber. Geschossgewicht 16,2 g (250 Grain), Mündungsgeschwindigkeit ca. 260 m/s, Mündungsenergie ca. 550 Joule.
- .44-40 WCF: Das zweitbeliebteste Kaliber, kompatibel mit der Winchester 1873.
- .357 Magnum: Modernes Kaliber in aktuellen Produktionen, bietet deutlich höhere Leistung als die historischen Kaliber.
- .44 Special: Beliebtes Kaliber für Cowboy Action Shooting mit moderatem Rückstoss.
Die Präzision des SAA ist für einen Revolver mit Kerbenvisierung bemerkenswert gut — auf 25 Meter sind handbreite Gruppen mit guter Munition möglich. Der lange 7,5"-Lauf der Cavalry-Version bietet die beste Genauigkeit.
Schweizer Markt & Preisentwicklung
Der Colt SAA hat in der Schweiz eine treue Fangemeinde, besonders unter Western-Enthusiasten und Cowboy Action Shootern:
- Colt SAA 3rd Generation neu: CHF 2200 bis 3500
- Colt SAA 3rd Generation gebraucht: CHF 1500 bis 2500
- Colt SAA 2nd Generation gebraucht: CHF 2000 bis 5000
- Colt SAA 1st Generation gebraucht: CHF 3000 bis 50000+
- Uberti/Pietta Repliken (Italien) neu: CHF 500 bis 900
- USFA Single Action neu/gebraucht: CHF 1200 bis 2500
Die Preise für 1st Generation SAA steigen seit Jahrzehnten kontinuierlich. Exemplare mit dokumentierter Geschichte oder in seltenen Kalibern erzielen Spitzenpreise. Italienische Repliken von Uberti und Pietta bieten eine erschwingliche Alternative für Sportschützen.
Pflege, Wartung & Zubehör
Der SAA ist mechanisch einfach und entsprechend pflegeleicht:
- Reinigung: Trommel und Lauf nach jedem Schiessen reinigen. Bei Schwarzpulverladungen (Cowboy Action) ist sofortige Reinigung zwingend, da Schwarzpulverrückstände korrosiv sind.
- Handfedern: Die flache Hauptfeder sollte auf Risse kontrolliert werden — ein Bruch ist die häufigste Störung beim SAA.
- Auszieherstab: Regelmässig auf festen Sitz prüfen — ein lockerer Ejector kann die Trommelrotation blockieren.
- Holzgriffe: Originale Hartgummi- oder Holzgriffe mit Leinöl pflegen. Aftermarket-Griffe von Eagle, Ajax oder Altamont sind in vielen Ausführungen erhältlich.
Für Cowboy Action Shooting sind Lederholster und Patronengürtel von Firmen wie El Paso Saddlery unverzichtbares Zubehör.
Fazit & Kaufempfehlung
Der Colt SAA ist ein Stück lebendige Geschichte — die Waffe, die den Wilden Westen definierte. Für Sammler sind 1st Generation Exemplare die Krönung, während 3rd Generation Colts eine hervorragende Kombination aus Authentizität und Gebrauchstauglichkeit bieten.
Wer den SAA primär zum Schiessen oder für Cowboy Action Shooting nutzen möchte, ist mit einer italienischen Replik von Uberti bestens bedient — diese sind erschwinglich, gut verarbeitet und in allen relevanten Kalibern erhältlich. Ein originaler Colt sollte eher als Sammlerstück behandelt werden.
Der SAA ist kein praktischer Revolver im modernen Sinne — er ist ein Erlebnis. Das bewusste Spannen des Hahns, das einzelne Laden und die perfekte Ergonomie machen jeden Schuss zu einem besonderen Moment.