Die Beretta 92, in der militärischen Variante als M9 bekannt, ist eine der ikonischsten Dienstpistolen des 20. Jahrhunderts. Was diese Pistole besonders macht, ist ihre einzigartige Konstruktion mit offener Schlittenoberseite, dem Schwenkriegel-Verriegelungssystem und dem robusten Aluminiumrahmen. Diese Kombination bietet eine Zuverlässigkeit, die sich in über drei Jahrzehnten Militärdienst bei der US-Armee bewährt hat. Dazu kommt ein markantes, sofort erkennbares Design, das die Beretta 92 zu einer der meistfotografierten und filmisch am häufigsten eingesetzten Pistolen der Welt gemacht hat.
Die Geschichte der Beretta 92 beginnt 1975 in der Beretta-Fabrik in Gardone Val Trompia, Italien. Beretta, einer der ältesten Waffenhersteller der Welt mit einer Geschichte bis ins Jahr 1526, entwickelte die 92 als moderne Dienstpistole auf Basis der Beretta M1951. Das Design übernahm das Schwenkriegel-Verriegelungssystem der Walther P38, kombinierte es aber mit einem Aluminium-Rahmen und einem doppelreihigen Magazin. 1985 gewann die Beretta 92 die kontroverse Ausschreibung der US-Armee und ersetzte die legendäre Colt M1911A1, die seit 1911 im Dienst gestanden hatte. Als M9 wurde sie zur Standard-Dienstpistole aller US-Teilstreitkräfte. Über 600000 Exemplare wurden an das US-Militär geliefert, bevor sie 2017 durch die SIG P320 als M17 und M18 abgelöst wurde. Neben den USA setzen Dutzende von Streitkräften und Polizeieinheiten weltweit die Beretta 92 ein, darunter die italienischen Carabinieri, die französische Gendarmerie und brasilianische Streitkräfte.
Technisch arbeitet die Beretta 92 als Kurzhub-Rückstosslader mit Schwenkriegel-Verriegelung, auch als Walther-Prinzip oder Propeller-Verriegelung bekannt. Anders als beim Browning-System, bei dem der Lauf beim Entriegeln kippt, bleibt der Lauf der Beretta 92 achsparallel. Dies führt theoretisch zu einer besseren Präzision, da der Lauf sich beim Schuss nicht verkantet. Das Kaliber ist 9×19mm Parabellum. Das Magazin fasst 15 Schuss in der militärischen M9-Version und 17 Schuss im zivilen 92FS-Standardmagazin. Die Lauflänge beträgt 125mm bei einer Gesamtlänge von 217mm. Das Gewicht liegt bei 950 Gramm leer. Der DA/SA-Abzug arbeitet mit einem kombinierten Sicherungs- und Entkupplungshebel auf dem Schlitten, der den Hahn sicher ablässt und gleichzeitig als Sicherung fungiert. Das markanteste Merkmal ist die offene Schlittenoberseite, ein Beretta-Markenzeichen, das den Hülsenauswurf extrem zuverlässig macht und Auswurfstörungen praktisch ausschliesst.
Die Variantenvielfalt der Beretta 92 ist über die Jahrzehnte gewachsen. Die 92FS ist die verbesserte Zivilversion mit einer Sicherungsnut am Schlitten, die verhindert, dass sich der Schlitten bei einem Bruch nach hinten löst. Die M9A3 ist eine modernisierte Militärversion mit FDE-Finish, Gewindlauf für Schalldämpfer und Zubehörschiene. Die 92X Performance ist die Wettkampfvariante mit schwererem Brigadier-Schlitten, Skeleton-Hammer und verbessertem Abzug. Die Beretta M9A4 ist die aktuelle Generation mit Optics-Ready-Schlitten für Rotpunktvisiere und modularem Griffrücken. Jede dieser Varianten behält das grundlegende 92-Design bei, optimiert aber spezifische Aspekte für den jeweiligen Einsatzzweck.
Im Schweizer Kontext ist die Beretta 92 weniger verbreitet als etwa Glock- oder SIG-Pistolen, hat aber eine treue Anhängerschaft. Sie wird vor allem von Sammlern und Liebhabern geschätzt, die den Charakter einer klassischen Ganzmetallpistole mit DA/SA-Abzug bevorzugen. Im Schweizer Schiesssport wird sie gelegentlich im Ordonnanzpistolenschiessen eingesetzt, wobei die 92X Performance auch in IPSC Production eine Nische besetzt. Die Ersatzteilversorgung in der Schweiz ist über den Beretta-Importeur und spezialisierte Händler gewährleistet. Magazine und Zubehör sind gut verfügbar, da die Beretta 92 weltweit eine der meistproduzierten Pistolen ist.
Der Preisguide für den Schweizer Markt 2026 zeigt folgende Richtwerte. Eine Beretta 92FS in gutem Zustand mit normalen Gebrauchsspuren wird für CHF 500 bis 700 gehandelt. Exemplare in sehr gutem Zustand mit wenig Schusszahlen und gepflegtem Finish erzielen CHF 700 bis 950. Neuwertige Exemplare mit Originalverpackung und Zubehör liegen bei CHF 950 bis 1200. Die 92X Performance liegt deutlich höher, gebraucht bei CHF 1200 bis 1600, neuwertig bei CHF 1600 bis 2000. Militärische M9-Exemplare mit nachgewiesener Armeehistorie können bei Sammlern Aufpreise erzielen. Magazine kosten einzeln CHF 30 bis 45.
Beim Kauf einer gebrauchten Beretta 92 sollte man besonders auf den Zustand des Schlittens achten, da die offene Bauweise anfälliger für Korrosion an den Innenflächen sein kann. Den Schwenkriegel auf Abnutzung prüfen, denn er ist ein zentrales Verschleissteil. Die Verriegelungsflächen am Lauf und am Rahmen inspizieren. Der Aluminiumrahmen sollte keine Risse oder tiefe Kratzer aufweisen. Den Sicherungshebel auf beiden Seiten testen, er muss satt und eindeutig einrasten. Bei älteren 92er-Modellen ohne die FS-Sicherungsnut am Schlitten ist besondere Vorsicht geboten. Die Magazinhalterung sollte die Magazine sicher halten und beim Betätigen des Magazinlösers zuverlässig freigeben.
Rechtlich erfordert die Beretta 92 in der Schweiz einen Waffenerwerbsschein (WES). Der Erwerb erfolgt über das kantonale Waffenbüro. Als halbautomatische Pistole mit Magazinen bis 20 Schuss fällt sie in die Standardkategorie des Waffengesetzes. Die Beretta 92 unterliegt keinen besonderen Einschränkungen und kann von allen WES-berechtigten Personen erworben werden. Die Aufbewahrung muss sicher erfolgen, und der Transport zum Schiessstand erfordert die Waffe entladen und getrennt von der Munition.