Geschichte & Entwicklung
Die Geschichte der Benelli M2 beginnt 1967, als der italienische Ingenieur Bruno Civolani das revolutionäre Inertia-Driven-System erfand. Dieses System nutzt die Masseträgheit statt Gasdruck, um den Nachladevorgang anzutreiben — ein radikal anderer Ansatz als bei konventionellen Selbstladeflinten. Benelli setzte das System ab 1969 in seinen Flinten ein und wurde damit zum Pionier einer neuen Technologie.
Die M1 Super 90, eingeführt 1992, machte das Inertia-System weltweit populär und wurde besonders bei der Jagd geschätzt. 2004 folgte die M2 als konsequente Weiterentwicklung mit dem neuen ComforTech-Rückstossdämpfungs-System und einer verbesserten Abzugsgruppe. Die M2 wurde schnell zur meistverkauften Selbstladeflinte für die Jagd in Europa. Benelli gehört seit 2000 zur Beretta Holding, operiert aber als eigenständige Marke mit eigener Fertigung in Urbino (Italien). Die M2 wird kontinuierlich weiterentwickelt und ist heute in der dritten Generation erhältlich.
Technik & Konstruktion
Das Inertia-Driven-System ist das technische Herzstück der M2 und funktioniert grundlegend anders als Gasdrucklader. Beim Schuss bewegt sich der gesamte Lauf und das Gehäuse kurz nach hinten, während der schwere Verschlusskopf durch seine Trägheit stehen bleibt. Zwischen Verschlusskopf und Verschlussträger sitzt eine starke Feder, die komprimiert wird und dann den Verschluss nach hinten schleudert — die leere Hülse wird ausgeworfen und eine neue Patrone zugeführt.
Der grosse Vorteil: Es gibt keinen Gaskanal, keinen Gaskolben und keine Gasbohrung im Lauf. Dadurch ist die M2 leichter, sauberer und wartungsärmer als jeder Gaslader. Der Lauf bleibt frei von Gasrückständen, und die gesamte Mechanik verschmutzt wesentlich weniger. Der ComforTech-Schaft verwendet ein System aus Gelzellen und synthetischen Chevrons, die bis zu 48% des Rückstosses absorbieren.
Das Gehäuse besteht aus einer hochwertigen Aluminiumlegierung, der Verschluss aus gehärtetem Stahl. Der Rotationsverschluss verriegelt mit zwei Verriegelungswarzen im Laufgewinde — ein extrem sicheres und bewährtes System. Die gesamte Flinte kann ohne Werkzeug in ihre Hauptkomponenten zerlegt werden.
Varianten & Modelle
- M2 Field: Das Jagd-Standardmodell mit klassischem Holz- oder Kunststoffschaft. Verfügbar in verschiedenen Lauflängen und Camo-Ausführungen.
- M2 Comfortech: Mit dem vollständigen ComforTech-Rückstossdämpfungssystem. Besonders empfehlenswert für intensive Nutzung und empfindliche Schützen.
- M2 Tactical: Kurzer 470mm-Lauf mit Ghost-Ring-Visier und Picatinny-Schiene. Für den taktischen Einsatz und sportliches Dynamic-Shotgun-Schiessen.
- M2 Speed: Performance-Version für den Parcours mit verlängerter Ladeklappe und optimiertem Schaft für schnelle Zielerfassung.
- M2 SP: Die Sporting-Version mit langem 760mm-Lauf, erhöhter Schiene und Wettbewerbsausstattung.
- M2 Turkey: Speziell für die Truthahnjagd mit extra-engem Choke und Tarnmuster.
Kaliber & Ballistik
Die M2 ist in 12/76 (3 Zoll Magnum) als Hauptkaliber erhältlich. Die 20/76-Version ist besonders leicht und eignet sich hervorragend für die Niederwildjagd und kleinere Schützen. Das Inertia-System benötigt eine gewisse Mindestrückstossenergie, um zuverlässig zu funktionieren — ultraleichte Patronen unter 24g können gelegentlich zu Ladehemmungen führen.
Die Lauflängen reichen von 470mm (Tactical) über 660mm und 710mm (Jagd-Standard) bis 760mm (Sporting). Benelli liefert standardmässig ein Set von fünf Crio-Wechselchokes (Zylinder, Viertel, Halb, Dreiviertel, Voll). Das Crio-System mit kryogenisch behandelten Läufen sorgt für gleichmässigere Schrotbilder und reduzierte Bleiablagerungen. Die Mündungsgeschwindigkeit liegt je nach Laborierung bei 380–430 m/s.
Schweizer Markt & Preisentwicklung
Die Benelli M2 ist in der Schweiz über Fachhändler und den Beretta/Benelli-Vertrieb erhältlich. Aktuelle Preise:
- M2 Field (Kunststoff): CHF 1'400 – 1'700
- M2 Comfortech: CHF 1'600 – 1'900
- M2 Speed / SP: CHF 1'800 – 2'200
- M2 Tactical: CHF 1'500 – 1'800
- M2 Camo-Ausführungen: CHF 1'700 – 2'100
Gebrauchte M2 in gutem Zustand werden für CHF 900 – 1'300 gehandelt. Die M2 hält ihren Wert gut, da sie als die zuverlässigste Jagd-Selbstladeflinte gilt. Der Gebrauchtmarkt in der Schweiz ist lebhaft — M2 werden häufig gehandelt. Waffenerwerbsschein (WES) ist erforderlich.
Pflege, Wartung & Zubehör
Die M2 ist dank des gaslosen Inertia-Systems besonders pflegeleicht:
- Lauf: Nach jedem Schiesstag reinigen. Crio-Läufe sind etwas schmutzresistenter als konventionelle Läufe.
- Verschluss: Die Inertia-Feder und den Verschlusskopf regelmässig reinigen und leicht ölen. Kein übermässiges Öl verwenden.
- Gehäuse: Innen sauber halten. Da kein Gas ins Gehäuse gelangt, verschmutzt es wesentlich weniger als bei Gasladern.
- ComforTech-Elemente: Gelzellen und Chevrons auf Risse prüfen. Ersatz bei Benelli verfügbar.
Empfehlenswertes Zubehör: Magazinverlängerung (CHF 80–120), Nordic-Components-Ladetuben, Extended-Wechselchokes (CHF 35–60) und ein Benelli-Waffenkoffer (CHF 150–300).
Fazit & Kaufempfehlung
Die Benelli M2 ist die beste Wahl für Jäger, die eine leichte, zuverlässige und wartungsarme Selbstladeflinte suchen. Das Inertia-System ist dem Gasdrucksystem in Sachen Sauberkeit und Gewicht überlegen. Wer bei jedem Wetter und in jeder Situation eine Flinte braucht, die einfach funktioniert, wird mit der M2 glücklich.
Im Vergleich zur Beretta A400 ist die M2 leichter und sauberer, aber die Schussfolge ist etwas langsamer und ultraleichte Patronen können Probleme machen. Für die Jagd ist die M2 die erste Wahl, für reines Wettkampf-Sporting könnte die A400 Xcel die bessere Option sein. Mit einem Neupreis ab CHF 1'400 bietet die M2 ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.